Warum sagt nicht einfach mal jemand: „Du bist eine gute Mutter“ ?

Eigentlich möchte ich doch nur, dass mir jemand einmal ernsthaft und ganz spontan sagt, dass ich eine gute Mutter bin….

Irgendwie wird mir ständig unterstellt, dass ich eine schlechte Mutter sei. „Ach, das bildest du dir ein“, oder: „Entspanne dich“. Nein! Das bilde ich mir leider nicht ein. Vor Kurzem kam ich nach einem anstrengenden Arbeitstag am Samstag nach Hause, wo die Babysitterin mit unserem Felix auf mich wartete. David, sein großer Bruder, war bei einem Geburtstag; der Papa musste auch arbeiten. Ich komme also nach Hause und mich erwartet die Babysitterin, welche wirklich eine Seele von Mensch ist, wie man so nett sagt, und die sehr liebevoll mit ihm und überhaupt nicht richtend ist. Ich komme also an und gerade sind die beiden dabei, den Sofabezug zu trocknen, weil Felix Pipi darauf gemacht hat. „So was Dummes“, erklärt sie mir. „Jetzt hat es die ganze Zeit geklappt – ohne Windel. Wir sind regelmäßig auf die Toilette und alles super. Und jetzt hat er in die Hose gemacht.“ Ich sage gar nichts; bin verwirrt. „Ich habe Windeltraining gemacht. Irgendwann muss man doch beginnen!“

Meine Mutter erzieht Felix bei jedem gemeinsamen Essen und erklärt mir dabei ausführlich, um wieviel „besser“ oder „schöner“ er dann doch isst. Ich solle es einfach so wie sie machen, dann würde er es schon lernen.

Andere machen natürlich alles gut und würden natürlich auch alles richtig machen und dann würde unser Sohn fließend sprechen, wunderschön essen, keine Windel mehr brauchen…. Manchmal würde ich gerne ironisch antworten: „Toll! Kannst du bitte das auch den TherapeutInnen zeigen? Die sind noch nie auf die Idee gekommen, dass man einfach nur mal mit dem Windeltraining beginnen sollte! Ich natürlich komme auf solche tolle Dingen schon gar nicht!“ Aber was soll das? Bringt nichts und vergrault auch nur diejenigen, die es eigentlich ja „nur gut meinen“.

Vor Kurzem hatte ich die bislang schlimmste Erfahrung: Wir waren bei Bekannten zum Essen eingeladen. Ein Horror! Jeder Schritt, jede Bewegung wurde erzieherisch kommentiert, verbessert. Als Felix gerne noch ein Stückchen Schokolade vom Nachtisch wollte und er sich nicht richtig und vollständig ausdrückte, bestand die Bekannte darauf, dass er einen vollständigen Satz sagte. Obwohl sie genau wusste, was er wollte: „Ich habe immer noch keinen ganzen Satz gehört.“ Ich: „Den wird er auch nicht sagen. Lass es gut sein.“ Sie, mich absolut ignorierend, weil klar – Kinder müssen nur richtig animiert, motiviert und erzogen werden: „Felix, sag doch einfach: Ich möchte gerne Schokolade.“

Und da stellt sich wieder die Frage: Geht es überhaupt, Freizeit mit Anderen zu verbringen? Inwieweit müssen wir uns auch selber schützen? Was denkt David in solchen Situationen? Wie geht es Felix selbst damit? Und warum kann man uns nicht einfach so nehmen wie wir sind – mit all unseren Schwächen, unserem Anderssein, unseren Problemen? und: Wir sind auch Personen und wir versuchen auch, ein guter Vater und eine gute Mutter zu sein. Vor allem lieben wir unsere Kinder.

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